Automatisierte Blechverarbeitung heute | © Jorns AG

Eine kurze Geschichte der Biegemaschine – Teil 2

Von der mechanischen Blechverarbeitung im 18. Jahrhundert zur vollautomatischen Doppelbiegemaschine im digitalen Zeitalter. Die Geschichte der Biegemaschine geht weiter.

 



Die industrielle Revolution: mechanische Metallverarbeitung im grossen Stil
Mitte des 18. Jahrhunderts war die Metallverarbeitung immer noch eins: schwerste Handarbeit. Doch mit der industriellen Revolution wurden Holzgewindestangen und Holzbalken mehr und mehr durch Metallteile ersetzt; auch die Schliessfunktion bestand aus Hebeln, Steuerwellen und Excenterlagern aus Metall. Die Biegetische aus Holz wurden oft mit Metall verstärkt, einem so genannten Kantbalken, um exakte Biege-Ergebnisse zu erzielen. Als dann Ende des 18. Jahrhunderts der englische Techniker John Wilkinson das Kehrwalzwerk erfand, begann die maschinelle Blecherzeugung im grossen Stil.

Mitte des 19. Jahrhunderts: erste „Blechabbiegemaschinen“ werden konstruiert
Jetzt gab es Bleche in grossen Mengen und in der Folge wurde auch ihre Bearbeitung schnell mechanisiert. Die ersten Biegemaschinen hiessen um 1875 herum „Blechabbiegemaschine“ oder „Abkantbank“. Das waren echte Schwergewichte, die aber die Arbeit leichter machten. Dann kam die Hydraulik verstärkt ins Spiel: Die Schliesshebel und Biegewerkzeuge wurden mit einem oder mehreren Hydraulik-Zylindern angetrieben und mit einem einfachen Hebelventil gesteuert. Die Scheren wurden zuerst nur manuell durch die reine Stosskraft bewegt, später dann auch hydraulisch angetrieben. Lange wurde die Biegeposition mit einem Meterstab oder mit einer Schablone definiert. Später kamen auch die ersten verstellbaren, manuell angetriebenen Tiefenanschlagsysteme dazu.

Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurden die Biegesysteme auch immer mehr elektrifiziert. Erste Einfach-Steuerungen wurden entwickelt zum Steuern der Klemm-, Biege-, und Schneidefunktion. Ab jetzt steuert sich die Biegemaschine schon fast von selbst.

Ab 1973: die Schweizer Firma Jorns produziert Biegemaschinen
Als der gelernte Mechaniker Kurt Jorns in Lotzwil, Schweiz, die Firma Konrad übernimmt, werden die einzelnen Ständer der Biegemaschinen beim Kunden noch in den Boden verschraubt. Je nach Unterboden eine statische Herausforderung, die Ungenauigkeiten beim Biegen produzieren kann. Dieses Problem erkannte Kurt Jorns und entwickelte einen der ersten Grundrahmen für die Biegemaschine – ein Novum in der Branche. 1975 stellte Jorns bereits die ersten NC-gesteuerten Biegemaschinen vor: Typ 78 und Typ 77. Nur kurz später folgten die ersten Biegemaschinen mit motorisiertem Tiefenanschlag und Elektroschere.

Die Geschichte der Biegemaschine im digitalen Zeitalter
Das digitale Zeitalter begann mit der numerischen Steuerung (NC) für alle Werkzeugmaschinen. In den 1980er Jahren kamen bei den Biegemaschinen Daumenradschaltungen dazu. Damit konnten genaue Werte für Klemm-, Biege-, Schneid- und Tiefenanschlag-System vorgegeben und gefahren werden. Ein Programm war limitiert durch die Anzahl der Daumenradschalter-Reihen.

Die ersten Biegemaschinen mit CNC- und Bildschirmsteuerungen werden Anfang 1990 konstruiert. Auch die Messysteme werden immer genauer, die Geschwindigkeiten höher. Die ersten konischen Tiefenanschlagsysteme werden verbaut. Dann, Ende der 90er Jahre, kommen die graphischen Steuerungen dazu, dann Touchscreens, die direkt per Finger bedient werden. Um die Jahrtausendwende haben die vollautomatischen Doppelbiegemaschinen Premiere.

Und wohin steuert die Biegemaschine in Zukunft?
„Die Biegemaschine hat eine lange Geschichte. Und sie wird auch in Zukunft für die Menschheit relevant sein, weil noch längst nicht alle Menschen auf der Welt ein Dach über dem Kopf haben“, sagt Marc Jorns, Blechbiege-Experte und CEO der Jorns AG. Und was wird sich technisch entwickeln? „Die Biegemaschine wird in Zukunft noch genauer und schneller werden. Der Biegeprozess wird weiter automatisiert und ausserdem noch besser mit übergelagerten Softwarekomponenten vernetzt sein. Auch die vorbeugende Wartung, die Preventive Maintenance, wird Erleichterungen bringen, speziell in Produktionsbetrieben, die grösser sind und im Mehrschichtbetrieb arbeiten. Davon profitieren dann auch die kleineren Unternehmen.“

Die Geschichte der Biegemaschinen, die schon vor Tausenden Jahren mit der Blechbearbeitung anfing, geht also weiter. Denn Biegemaschinen werden dringend gebraucht, um Dach- und Wandprofile für geschützte Räume herzustellen – auch in Zukunft.


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Quellen

Gerd Ising, Die Schwenkbiegemaschine, Books on Demand GmbH, Norderstedt 2005

Otto Lueger, Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, DVA, Stuttgart, 1904

Wikipedia, Biegemaschine, https://de.wikipedia.org/wiki/... und Schwenkbiegen, https://de.wikipedia.org/wiki/...

Ihr Autor

Marc Jorns

Marc Jorns
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Biege-Technologie




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